Anti-Baby-Pille & Haarausfall

Frau mit Pillen
Bild: Image Point Fr/Shutterstock
F: Hast du schon mal gehört, dass die Anti-Baby-Pille Haarausfall verursachen kann? Ich nehme seit ein paar Wochen eine neue Pille und bemerke jetzt ungewöhnlich starken Haarausfall.
 
A: Ja, ich habe schon gehört, dass manche Frauen unter der Pille Veränderungen an ihren Haaren bemerken, bis hin zu Haarausfall.
 

Hormonelle Zusammenhänge

Da die Pille gezielt in den Hormonhaushalt eingreift, hat sie naturgemäß Auswirkungen auf den gesamten Körper, die weit über die reine Verhütung hinausgehen. Die enthaltenen Hormone beeinflussen die unterschiedlichsten Stoffwechselprozesse. Weil unser Haarwachstum und die Gesundheit der Haarwurzeln extrem eng an den Hormonspiegel gekoppelt sind, bemerken etliche Frauen nach dem Wechsel auf ein neues Präparat, dass sich ihre Haardichte verändert oder das Haar spürbar lichter wird.
 
Pillen enthalten ganz unterschiedliche Gestagene. Manche dieser synthetischen Hormone weisen eine stärkere androgene (also männlichen Hormonen ähnliche) Wirkung auf. Das kann dazu führen, dass die Haarfollikel auf Miniaturgröße schrumpfen und zusehends schwächer werden. Bei empfindlicher Kopfhaut beziehungsweise Veranlagung löst das ein sichtbares Ausdünnen des Haares aus; ganz besonders bei Personen, die ohnehin eine genetische Neigung zu androgenetischer Alopezie (dem erblich bedingten Haarausfall) mitbringen. Der Wechsel zu einer Pille mit geringer androgener oder sogar antiandrogener Wirkung kann dieses Risiko oft deutlich senken.
 

Der Haarzyklus

Um das zu verstehen, muss man wissen, dass jedes einzelne Haar verschiedene Phasen durchläuft: die Wachstumsphase (Anagenphase), die Übergangsphase (Katagenphase) und schließlich die Ruhe- und Ausfallphase (Telogenphase). Eine plötzliche hormonelle Umstellung im Körper kann zu einem sogenannten diffusen Haarausfall (in der Fachsprache Telogenes Effluvium) führen, bei dem ungewöhnlich viele Haare gleichzeitig und vorzeitig in die Ausfallphase gedrängt werden.
 
Allerdings braucht unser Haarzyklus Zeit, denn die Haarwurzeln reagieren extrem zeitverzögert. Ein Haarausfall, der durch eine hormonelle Veränderung getriggert wird, zeigt sich in aller Regel erst zwei bis vier Monate nach dem Beginn oder dem Wechsel eines Medikaments. Da du deine neue Pille erst seit einigen Wochen nimmst, ist es sehr gut möglich, dass der aktuelle Haarverlust durch einen ganz anderen Auslöser verursacht wurde, der bereits vor ein paar Monaten stattfand; und gar nicht direkt durch dein neues Rezept.
 
Haarausfall kann nämlich auch durch intensiven Stress, eine kürzlich überstandene Erkrankung, starkem Gewichtsverlust, Eisen- oder Nährstoffmangel, Schilddrüsendysfunktionen oder die Einnahme anderer Medikamente entstehen. Oftmals überschneiden sich hier gleich mehrere Faktoren, sodass es für uns im Salon ohne eine fundierte ärztliche Blutuntersuchung unmöglich ist, die genaue Ursache zu isolieren.
 

Ärztlicher Rat

Hier bewegen wir uns ganz klar im medizinischen Bereich. Mein dringendster Rat an dich lautet deshalb: Sprich unbedingt mit deiner Gynäkologin, deinem Gynäkologen oder einer Dermatologie-Praxis. Schildere dort genau, wann der Haarausfall eingesetzt hat, und erwähne unbedingt auch alle anderen Lebensveränderungen, Stressphasen oder Krankheiten der letzten drei bis sechs Monate.
 
Falls sich deine neue Pille nach ärztlicher Abklärung tatsächlich als der Auslöser herausstellt, kann dich deine Ärztin oder dein Arzt zu Alternativen mit hautfreundlicher, antiandrogener Wirkung beraten. Setz die Pille in der Zwischenzeit aber bitte auf keinen Fall eigenmächtig ab. Dadurch verlierst du nicht nur deinen Verhütungsschutz, sondern der abrupte Hormonabfall kann im schlimmsten Fall direkt den nächsten hormonell bedingten Haarausfall-Schub provozieren.
 
Diese Antwort dient nur zu Informationszwecken. Für medizinischen Rat oder eine Diagnose wende dich bitte an einen Arzt.
 
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Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haarausfall