Glatzen und Körperbehaarung

Antwort: Das ist tatsächlich ein weit verbreiteter Irrglaube, der durch ein altes Klischee immer wieder befeuert wird. Auch wenn es oft so wirkt, als hätten Männer mit Glatze besonders viel Brust-, Rücken- oder Barthaar: Die Realität sieht anders aus, denn Körperhaar und Kopfhaar hängen nicht direkt miteinander zusammen.
Aus meiner täglichen Erfahrung im Salon kenne ich jede erdenkliche Kombination: Ich habe einige Kunden mit kaum Körperbehaarung, die trotzdem eine Vollglatze tragen. Genauso betreue ich viele Männer mit dichtem, vollem Haupthaar, die unterhalb des Kragens einen üppigen Bärenpelz haben. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es unzählige Nuancen.
Die Verwirrung entsteht meist dadurch, dass die Hormone, die das Körperhaar sprießen lassen, auch beim erblich bedingten Haarausfall - der sogenannten androgenetischen Alopezie - eine zentrale Rolle spielen. Das entscheidende Schlüsselhormon heißt Dihydrotestosteron (DHT), ein Abbauprodukt des Testosterons.
DHT regt das Wachstum von Bart- und Körperhaaren an. Bei Männern, die allerdings eine genetische Überempfindlichkeit gegenüber diesem Hormon geerbt haben, bewirkt es auf dem Kopf genau das Gegenteil: Es lässt die Haarfollikel auf der Kopfhaut nach und nach verkümmern. Durch diese Miniaturisierung der Haarwurzeln bringen sie nur noch feinere, kürzere Härchen hervor, bis die Haarproduktion irgendwann komplett zum Erliegen kommt.
DHT allein verursacht also noch lange keine Glatze. Der ausschlaggebende Faktor ist immer, ob die Haarwurzeln auf deiner Kopfhaut genetisch sensibel darauf reagieren. Deshalb können zwei Männer mit exakt demselben Testosteronspiegel völlig verschiedene Haarbilder aufweisen: Der eine behält sein Leben lang kräftiges Terminalhaar, während der andere schon in jungen Jahren Geheimratsecken entwickelt oder das Haar am Oberkopf komplett einbüßt.
Das Wachstum der Körperbehaarung wird zudem von vielen weiteren Faktoren beeinflusst, darunter die individuelle Veranlagung, das Alter und die spezifische Rezeptoresempfindlichkeit der Haut. Manche Männer entwickeln von Natur aus dichten Wuchs an Brust, Rücken, Schultern und Armen, während andere ganz unabhängig vom Hormonspiegel kaum Körperhaar ausbilden.
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Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haarausfall