Saisonaler Haarausfall

Die 4 Jahreszeiten
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F: Gibt es so etwas wie saisonalen Haarausfall wirklich? Verlieren wir im Frühling und Sommer mehr Haare?
 
A: Ja, saisonaler Haarausfall ist ein wissenschaftlich gut dokumentiertes Phänomen, das durch klinische Studien belegt ist – auch wenn die genauen evolutionären Ursachen dahinter noch nicht abschließend erforscht sind. Viele Menschen bemerken zu bestimmten Zeiten im Jahr tatsächlich einen erhöhten Haarausfall. Allerdings liegt die Hauptphase dieses saisonalen Ausfalls typischerweise im Spätsommer und Frühherbst und nicht im Frühling oder Frühsommer.
 
Wir wissen, dass der Haarzyklus bei jedem Menschen ganz individuell verläuft. Jedes einzelne Haarfollikel folgt dabei seinem eigenen natürlichen Rhythmus aus Wachstumsphase (Anagenphase), Übergangsphase (Katagenphase), Ruhephase (Telogenphase) und der eigentlichen Ausfallphase (Exogenphase). Steuert wird dieser Zyklus in erster Linie durch Genetik und den eigenen Hormonhaushalt. Während die genetische Veranlagung das allgemeine Wachstumsmuster vorgibt, beeinflussen hormonelle Schwankungen und äußere Umweltreize maßgeblich, wann die Haare letztlich in die Ausfallphase übergehen.
 
Studien belegen, dass der Wechsel der Jahreszeiten den Haarzyklus spürbar beeinflusst, allen voran die sich verändernde Tageslichtdauer. Das Sonnenlicht schwankt im Laufe des Jahres und wirkt sich direkt auf die körpereigene Hormonproduktion aus. Das betrifft unter anderem das Melatonin sowie die Vitamin-D-Rezeptoren der Kopfhaut, die eine entscheidende Rolle bei der Steuerung des biologischen Rhythmus und der Aktivität der Haarfollikel spielen.
 
Während der langen Sommertage mit besonders hoher Sonneneinstrahlung tritt ein höherer Prozentanteil der Haarfollikel in die Ruhephase (Telogenphase) ein. Da diese Phase erfahrungsgemäß rund 100 Tage andauert, fallen die ruhenden Haare naturgemäß erst einige Wochen später aus. Genau das führt schließlich im Spätsommer und Herbst zu dem spürbar verstärkten Haarausfall.
 
Wissenschaftler nehmen an, dass dieses Muster eine evolutionäre Anpassung sein könnte: Eine dichtere Haarmasse im Hochsommer schützt die empfindliche Kopfhaut vor intensiver UV-Strahlung. Sobald die Temperaturen und die Tageslichtstunden abnehmen, werden diese Haare nach und nach abgestoßen.
 
Saisonaler Haarausfall betrifft jedoch keineswegs jeden Menschen in der gleichen Intensität. Wie stark diese jährlichen Schwankungen tatsächlich ausfallen, hängt maßgeblich von der genetischen Veranlagung, dem geografischen Wohnort und der individuellen Physiologie ab. Menschen, die nahe am Äquator leben, spüren diese saisonalen Veränderungen deutlich schwächer als diejenigen in nördlicheren oder südlicheren Breitengraden mit ihren ausgeprägten Lichtunterschieden zwischen den Jahreszeiten.
 
Einige bemerken zusätzlich einen leichten, zweiten Ausfallschub im Frühling, während andere zu völlig unterschiedlichen Zeiten im Jahr vorübergehend vermehrt Haare verlieren. Saisonaler Haarausfall ist jedoch grundsätzlich vorübergehend und verläuft diffus: Er hält in der Regel etwa 4 bis 6 Wochen an, bevor sich der normale Haarzyklus wieder vollständig einpendelt.
 
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Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haarausfall