Neue Haarscheren & Einlaufzeit

Professionelle Haarscheren
Bild: Nimon/Shutterstock
F: Stimmt es, dass neue Haarscheren nicht wirklich gut schneiden und erst eine gewisse Einlaufzeit brauchen?
 
A: Bei der oft zitierten Einlaufzeit geht es meist weniger darum, dass die Haarschere selbst eingelaufen werden muss. Vielmehr musst du dich als Friseur erst an das Spiel, das Handgefühl und das Schneidverhalten des neuen Werkzeugs gewöhnen. Wenn die Schere von hoher Qualität und makellos scharf ist sowie die passende Ergonomie, Größe und das richtige Gewicht für deine Hand besitzt, sollte sie ab dem ersten Schnitt einwandfrei arbeiten. Eine hochwertige Profi-Haarschere muss keineswegs erst wochenlang genutzt werden, bevor sie sauber schneidet.
 
Dennoch fühlt sich ein neues Modell manchmal spürbar anders an als deine gewohnte, eingefahrene Lieblingsschere. Jede Schere besitzt eine eigene Balance, ihre eigene Gängigkeit, ein individuelles Griffdesign und eine spezifische Klingengeometrie. Selbst wenn zwei Scheren exakt dieselbe Zollgröße besitzen und vom selben Hersteller stammen, können sie sich in der Hand völlig unterschiedlich anfühlen. Wer lange mit einem bestimmten Modell gearbeitet hat, braucht schlichtweg etwas Zeit, um sich umzustellen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie viel Druck, Vorschub und Führung das neue Modell erfordert.
 
Es gibt einige typische Punkte, die dir bei einer nagelneuen Schere begegnen können:
 

Die Schere fühlt sich schwergängig an

Der Drehpunkt - also das Gewerbe bzw. die Einstellschraube - wurde noch kaum bewegt. Wenn die Spannung im Gewerbe ab Werk sehr stramm eingestellt ist, fällt das Öffnen und Schließen zu Beginn schwerer. Dadurch wirkt die Schere steif, besonders im Vergleich zu einem Modell, das bereits täglich im Salon im Einsatz ist.
 
Allerdings bedeutet „schwergängig“ nicht, dass die Schere mangelhaft ist. Die Gängigkeit lässt sich problemlos an deine persönlichen Vorlieben anpassen. Wichtig ist, dass die Klingen weich, sanft und gleichmäßig über den gesamten Schnittverlauf gleiten, ohne dass du Kraft aufwenden musst. Fühlt sich die Schneidbewegung unrund an, solltest du die Schraubenspannung im Gewerbe prüfen und gegebenenfalls nachstellen.
 
Drehpunkt von Haarscheren
 

Die richtige Einstellung der Schraubenspannung braucht Zeit

Die korrekte Einstellung des Gangs ist bei professionellen Friseurscheren entscheidend für Schnittpräzision und Langlebigkeit. Eine zu stramme Einstellung lässt die Schere steif wirken, führt zu schneller Ermüdung der Hand und erzeugt unnötigen Verschleiß an den Schneiden. Eine zu lose Einstellung führt dagegen dazu, dass die Klingen die Haare nicht greifen, sodass das Haar eher weggeschoben oder umgeknickt als sauber abgetrennt wird.
 
Die ideale Gängigkeit ist individuell. Manche Friseure bevorzugen ein etwas festeres Schneidgefühl, während andere ein extrem leichtgängiges Schließen schätzen. Das Nachstellen der Gewerbeschraube sollte immer behutsam und gemäß den Vorgaben des Herstellers erfolgen, da ein unsachgemäßes Anziehen das feine Zusammenspiel der Klingen beeinträchtigen kann.
 
Schneller Gängigkeitstest: Halte die Schere am Daumenring fest, sodass die Spitze senkrecht nach oben zeigt. Hebe den anderen Fingerring bis zu einem 90°-Winkel an und lass ihn einfach los. Die Klingen sollten etwa 20° bis 30° vor dem vollständigen Schließen sanft stoppen.
 

Das Klingendesign sorgt für ein neues Schneidgefühl

Wenn du an einen bestimmten Schliff gewohnt bist, wirkt ein anderer Klingentyp anfangs oft fremd. Konvexklingen (japanischer Schliff für butterweiches Slicen), Schrägschliff mit Mikroverzahnung (für maximalen Halt beim geraden Kompaktschnitt), Hohlschliff und unterschiedliche Radien besitzen komplett verschiedene Schneideigenschaften. Manche Werkzeuge sind perfekt für Slicetechniken optimiert, während andere auf kompromisslose Präzision beim Pointen ausgelegt sind.
 
Das ist der Hauptgrund, warum eine neue Schere scheinbar erst „eingelaufen“ werden muss: In Wahrheit lernst du, wie die jeweilige Klingengeometrie auf das Haar reagiert. Die Schere arbeitet von Anfang an perfekt. Sie erfordert lediglich eine leicht angepasste Schneidtechnik oder einen veränderten Winkel deiner Hand.
 
Neue Haarscheren
 

Es befindet sich noch Werksschutzöl auf der Schere

Für den Transport und die Lagerung behandeln Hersteller die Scheren mit speziellem Schutzöl oder Korrosionsschutzfett, um das Präzisionsmetall vor Luftfeuchtigkeit zu schützen. Für den Lieferweg ist das essenziell, doch dieses zähe Transportöl erzeugt Reibung im Gewerbe und kann das Haar beim Schneiden verkleben.
 
Wenn du eine neue Schere auspackst, reinige sie zuerst gründlich mit einem weichen Mikrofasertuch und desinfiziere sie nach den üblichen Hygiene-Standards deines Salons. Trage nach der Reinigung einen einzelnen Tropfen spezielles Scherenöl direkt auf den Schraubenbereich und die Führungsbahn auf. Öffne und schließe die Schere danach mehrmals, damit sich das Öl gleichmäßig verteilt.
 

Die Klingen müssen auf korrekten Ausrichtung geprüft werden

Eine professionelle Haarschere benötigt Klingen, die über die gesamte Schnittlänge hinweg exakt aufeinandertreffen. Wenn die Klingen ab Werk nicht perfekt ausgerichtet sind, schneidet die Schere selbst mit extremer Schärfe nicht sauber. Eine fehlerhafte Ausrichtung lässt sich nicht durch Nutzen oder Einlaufen beheben. Sie erfordert die Korrektur durch einen qualifizierten Scheren-Schleifservice oder das Service-Center des Herstellers.
 
Versuche niemals, eine professionelle Friseurschere selbst mit Haushalts-Schleifgeräten oder ungeeignetem Werkzeug nachzubessern. Hochwertige Scheren - insbesondere mit Konvexschliff - erfordern spezielle Schleifmaschinen, exakte Winkel und echtes Handwerkskönnen. Falsches Schleifen zerstört die Geometrie der Klingen dauerhaft und macht die Schere unbrauchbar.
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haar schneiden