Verlust der Haarpigmentierung

Frau mit sehr kurzem, grauem Haar
Bild: Mimagephotography/Shutterstock
F: Was ist der biologische Grund dafür, dass das Haar im Alter seine Pigmentierung verliert? Kannst du den Prozess erklären, durch den Haare grau werden?
 
A: Als Teil des natürlichen Alterungsprozesses bauen sich verschiedene Zellen im gesamten Körper nach und nach ab, fahren ihre Aktivität herunter oder stellen ihre Funktion komplett ein. Die Zellen unseres Körpers teilen und erneuern sich ständig. Das sorgt dafür, dass Gewebe heilen kann und wir vom Säugling zum Erwachsenen heranwachsen.
 
Dieser Prozess läuft jedoch nicht ewig im selben Tempo weiter: Je älter wir werden, desto weniger effizient verläuft die Zellteilung und die körpereigene Regeneration. Einige spezialisierte Zellen werden schließlich geschädigt, verbrauchen sich mit der Zeit oder stellen ihre Arbeit ganz ein.
 

Wie Follikel die Haarfarbe bilden

Die Zellen in unserem Körper unterscheiden sich stark nach ihrer jeweiligen Aufgabe. Allein in der Haut finden sich Dutzende Zelltypen mit spezifischen Funktionen. Die Gesundheit und Aktivität dieser Zellen beeinflussen direkt das Aussehen sowie die Funktion des Gewebes, das sie versorgen.
 
Dazu gehören auch die Zellen in den vielen Tausend Haarfollikeln auf unserer Kopfhaut. Die Follikel enthalten in der Haarwurzel spezialisierte, pigmentbildende Zellen: sogenannte Melanozyten. Diese bilden Melanin - das natürliche Pigment, das unserer Haut und unseren Haaren ihre individuelle Nuance verleiht.
 
Die eigentliche Haarfarbe wird im Wesentlichen durch die Art und Menge des Melanins bestimmt, das von den Melanozyten im jeweiligen Follikel gebildet wird:
 
• Eumelanin erzeugt dunkle Braun- und Schwarzschattierungen.
 
• Phäomelanin erzeugt Rot- und Blondschattierungen.
 
Dieses Pigment wird während der Wachstumsphase direkt in den nachwachsenden Haarschaft eingelagert. Die genaue Kombination und Menge der gebildeten Pigmente ist genetisch bedingt und sorgt für die breite Palette an natürlichen Haarfarben.
 
Haarpigmentproduktion mit Eumelanin und Phäomelanin
 
Der altersbedingte Zellabbau trifft dieses Pigmentsystem direkt. Die Haarfollikel sind bei jedem neuen Haarzyklus auf Melanozyten-Stammzellen angewiesen, um neue, aktive Melanozyten nachzuliefern. Mit der Zeit werden diese Stammzellen geschädigt, erneuern sich nicht mehr selbst oder verharren in einem inaktiven Zustand, in dem sie keine Pigmente mehr bilden können. Fehlen dem Follikel funktionierende Melanozyten, gibt er kein Melanin mehr an den nachwachsenden Haarschaft ab. Das Haar wächst pigmentfrei, also weiß oder transparent, nach.
 

Das schrittweise Ergrauen

Dieser Ergrauungsprozess verläuft keineswegs in allen Follikeln gleichzeitig. Einzelne Haarfollikel verlieren ihre Fähigkeit zur Pigmentbildung unterschiedlich schnell. Deshalb zeigen sich die ersten grauen Haare meist als vereinzelt verstreute weiße Haare zwischen dem noch normal pigmentierten Haar. Mit der Zeit bilden immer mehr Follikel Haare mit reduziertem Melaningehalt, wodurch das Gesamtbild zunehmend ergraut wirkt. Schließlich produziert ein Follikel gar keine Pigmente mehr, und das Haar wächst komplett weiß nach.
 
Ein einzelnes Haar ergraut nicht mehr, nachdem es bereits aus der Kopfhaut herausgewachsen ist. Sobald das Haar die Kopfhaut verlässt, ist es eine leblose Keratinstruktur. Die sichtbare Farbe entsteht ausschließlich tief im Follikel, bevor das Haar nach oben schiebt. Stoppt der Follikel die Melaninabgabe an den nachwachsenden Schaft, fehlt dem nachrückenden Teil schlichtweg das Pigment.
 
Der allmähliche Rückgang der Melanozytenfunktion ist ein völlig normaler biologischer Prozess, dessen Zeitpunkt jedoch individuell stark variiert. Die Genetik spielt die Hauptrolle dabei, wann das Ergrauen einsetzt, da sie die Steuerung der Melaninproduktion und -speicherung vorgibt. Das erklärt, warum manche Menschen schon mit Anfang zwanzig erste graue Haare entdecken, während andere ihre natürliche Haarfarbe bis ins hohe Alter behalten.
 
Die optische Täuschung bei grauem Haar
 
Was wir umgangssprachlich als „graues Haar“ bezeichnen, ist eigentlich eine optische Täuschung. Es handelt sich um das visuelle Zusammenspiel aus normal pigmentierten und bereits weißen Haaren und nicht etwa um ein spezielles graues Pigment, das vom Follikel gebildet wird.
 

Altersbedingte Ursachen

Mehrere biologische Faktoren tragen zum Ergrauen bei:
 
• Oxidativer Stress: Bei der Stoffwechselaktivität der Haarzellen entstehen reaktive Sauerstoffverbindungen. Mit der Zeit sammelt sich natürlicherweise Wasserstoffperoxid im Haarfollikel an. In jungen Follikeln bauen körpereigene Enzyme wie Katalase diesen Stoff problemlos ab. Im Alter nimmt die Produktion der Katalase jedoch ab, sodass sich das Wasserstoffperoxid anreichert und die Melanozyten sozusagen von innen heraus bleicht.
 
• Zelluläre Erschöpfung: Wiederholte Haarwachstumszyklen (Anagen-, Katagen- und Telogenphase) zehren den Stammzellspeicher in der Bulbusregion (Haarbulbus) des Follikels nach und nach auf.
 
• Umwelt- und Lifestyle-Faktoren: Einflüsse wie Rauchen, chronischer Stress und Nährstoffmängel (z. B. Vitamin-B12- oder Eisenmangel) können die Zellschädigung beschleunigen und den frühzeitigen Pigmentverlust vorantreiben.
 
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Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haar Wachstum