Graue Haare auszupfen

A: Leider nein, so gerne ich dir auch etwas anderes erzählen würde! Wenn Zupfen die Haare magisch vermehren könnte, würde wohl jeder mit feinem oder ergrauendem Haar ständig an seinen Strähnen ziehen, um mehr Fülle und Dichte zu bekommen. Das ist einer dieser Beauty-Mythen, die einfach zu schön klingen, um wahr zu sein … und das sind sie leider auch.
Die Wissenschaft hinter ergrauendem Haar
Haare ergrauen, wenn die Pigmentproduktion in den einzelnen Haarfollikeln schlichtweg herunterfährt. Jeder Follikel enthält Melanozyten. Zellen, die Melanin produzieren. Genau dieses Pigment verleiht auch unserer Haut und unseren Augen ihre Farbe. Wenn wir älter werden, lässt die Aktivität dieser Melanozyten nach, bis sie die Produktion irgendwann komplett einstellen. Ohne Melanin wächst der Haarschaft farblos nach, was je nach Lichteinfall silbrig, weiß oder grau wirkt.Wann und wie stark das Haar ergraut, ist größtenteils genetisch bedingt. Wenn deine Eltern früh grau wurden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es dir ähnlich geht. Es gibt jedoch einige äußere Einflüsse, die diesen Pigmentverlust beschleunigen können:
• Stress: Anhaltender körperlicher oder seelischer Stress führt zur Ausschüttung von Hormonen wie Cortisol und Noradrenalin. Das kann die Melanozyten-Stammzellen im Follikel vorzeitig erschöpfen.
• Nährstoffmangel: Fehlen dem Körper wichtige Nährstoffe – insbesondere Vitamin B12, Vitamin D, Eisen, Kupfer oder Zink – kann das zu frühzeitigem Ergrauen beitragen.
• Erkrankungen & Lebensgewohnheiten: Schilddrüsenfehlfunktionen, Vitiligo oder Alopecia Areata sowie oxidativer Stress durch Rauchen und Umweltgifte können die natürliche Pigmentbildung beeinträchtigen.

Warum sich der Mythos so hartnäckig hält
Dass nach dem Zupfen angeblich zwei graue Haare nachwachsen, liegt meistens schlicht am Timing. Wer die ersten grauen Haare entdeckt, befindet sich meist am Beginn eines natürlichen Veränderungsprozesses der Haarstruktur.Man zupft die ersten grauen Haare aus, während die umliegenden Follikel zeitgleich und völlig unabhängig davon ihre Pigmente verlieren. Nach ein paar Wochen oder Monaten tauchen an derselben Stelle plötzlich weitere graue Haare auf. Und fälschlicherweise wird das Zupfen dafür verantwortlich gemacht.
In Wirklichkeit arbeitet jeder Follikel autark und bringt immer nur ein einzelnes Haar hervor. Wenn du ein Haar ausreißt, entfernst du zwar die Haarsubstanz, veränderst aber weder die Biologie der Haarwurzel noch die der benachbarten Follikel. Das Haar, das schließlich aus demselben Follikel nachwächst, wird wieder pigmentfrei sein.
Die Risiken beim Auszupfen
Regelmäßiges Ausreißen bringt handfeste Nachteile für die Kopfhaut und die Haargesundheit mit sich:• Trauma für den Follikel: Wiederholtes Ausrupfen kann die Haarwurzel schädigen, was zu Entzündungen, Infektionen oder Vernarbungen auf der Kopfhaut führen kann.
• Dauerhafter Haarverlust: Durch das ständige Zupfen kann der Follikel so stark geschädigt werden, dass gar kein Haar mehr nachwächst und lichte Stellen entstehen.
• Veränderte Haarstruktur: Wächst das Haar doch wieder nach, führt die geschädigte Follikelwand oft dazu, dass die neue Strähne drahtiger, widerspenstiger oder völlig unruhig nachwächst.
Wenn dich ein einzelnes graues Haar stört: Bändige deinen Zupfreflex! Die schonendste Methode ist, es mit einer kleinen Haarschneideschere dicht an der Kopfhaut abzuschneiden.
©Hairfinder.com
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu graues Haar