Haarwachstum nach dem Tod

Haarlocken
 
F: Ich habe gehört, dass Haare nach dem Tod gar nicht aufhören zu wachsen. Stimmt das wirklich? Und falls ja: Wie lange wachsen sie danach eigentlich noch weiter?
 
A: Das ist tatsächlich ein weitverbreiteter Mythos – auch wenn hinter dem ursprünglichen Missverständnis ein kleiner Funke Wahrheit steckt.
 
Wenn ein Mensch stirbt, hört das Herz auf zu schlagen und der Körper wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Allerdings stirbt nicht jede Zelle schlagartig im selben Moment ab. Während Gehirnzellen schon innerhalb weniger Minuten zugrunde gehen, können Hautzellen und Haarfollikel – je nach Umgebungsbedingungen – noch für eine kurze Zeit überleben.
 
Dennoch ist echtes Haarwachstum ein komplexer Prozess aktiver Zellteilung, der eine kontinuierliche Zufuhr von Glukose und Sauerstoff benötigt. Ohne ein funktionierendes Kreislaufsystem geht diesen Zellen fast augenblicklich die Energie aus, sodass jegliches Wachstum komplett zum Stillstand kommt.
 

Warum glauben so viele Menschen, dass Haare und Nägel nach dem Tod weiterwachsen?

Die Antwort liegt in der Austrocknung des Körpers nach dem Ableben (der sogenannten postmortalen Dehydratation):
 
• Schrumpfen der Haut: Wenn die Feuchtigkeit aus dem Gewebe verdunstet, trocknet die Haut aus, schrumpft und zieht sich zusammen. Auf der Kopfhaut und im Gesicht legt dieser Rückzug den Teil des Haarschafts frei, der zuvor noch verborgen unter der Hautoberfläche lag.
 
• Der Nagelbett-Effekt: Genau derselbe Prozess läuft an den Händen und Füßen ab. Wenn das Weichgewebe rund um das Nagelbett austrocknet und schrumpft, wirken die Nägel deutlich länger als zuvor.
 
• Gewebeveränderungen: Wenn sich die Muskeln nach dem Tod versteifen, können sich auch die winzigen Muskeln zusammenziehen, die an den Haarfollikeln hängen. Dadurch richten sich die Haare auf, was Stoppeln dichter und auffälliger wirken lässt.
 
Postmortale Dehydratation - Austrocknung nach dem Tod
 
In Wirklichkeit sind Haare und Nägel also kein Stück gewachsen. Sie treten einfach nur deutlicher hervor, weil sich das umgebende Gewebe zurückgezogen hat. Es handelt sich um eine extrem überzeugende optische Täuschung – weshalb sich dieser Glaube auch seit Generationen so wacker hält.
 
In der modernen Bestattungsvorsorge setzen Präparatoren deshalb gezielt feuchtigkeitsspendende Mittel ein, um dieser Austrocknung entgegenzuwirken und ein natürliches Erscheinungsbild für die Aufbahrung zu bewahren.
 
Kurz gesagt: Haare wachsen nach dem Tod nicht weiter. Jedes vermeintliche Wachstum bei Haaren oder Nägeln ist eine reine optische Täuschung, die durch das natürliche Austrocknen und Schrumpfen der Haut entsteht.
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haar Wachstum